RUMÄNIEN: Gemeinsame Synode von Lutheranern und Reformierten

Mit einer gemeinsamen feierlichen Synode am 4. Juli 2017 in Klausenburg gedachten die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien und die Reformierte Kirche in Rumänien der ebenfalls gemeinsamen Synode beider Konfessionen im Mai 1571 in Mediasch. Diese war damals die letzte gemeinsame Synode vor der Trennung beider Richtungen der Reformation im Fürstentum Siebenbürgen, verbunden mit der Wahl von je einem Bischof.(mehr lesen....)

Luther geht es um Grundsätzliches

Es geht ihm um Gott, Kirche und die Gottesbeziehung des Menschen. Es reicht mit Luther nicht – wie bisher – sich durch gute Taten Gott zu nähern. Der Mensch kann sich nur begrenzt Gott nähern, trotz guter Taten bleibt er Gott mehr schuldig. »Was wir von Luther nötig haben« war der Titel des Vortrags, den Abt Hirschler aus Loccum in der Kirche der Gemeinde von Pastor Reinhard Zoske, der Vorsitzende des Martin-Luther-Bundes in Schaumburg-Lippe, am 1. März hielt....(mehr lesen...)

Bericht der Tagung in Seevetal (2016)

»Das Berufsbild der Pfarrerinnen und Pfarrer heute«

Zu diesem Thema fanden vom 18. bis 20. Januar 2016 die Theologischen Tage des Martin-Luther-Bundes in Seevetal bei Hamburg statt, unter maßgeblicher Leitung durch die Martin-Luther-Bünde Hannover und Schleswig-Holstein, finanziell außerdem unterstützt durch die Vereine in Hamburg, Lübeck-Lauenburg, Oldenburg und Braunschweig. Teilnehmende aus Deutschland, den Niederlanden, Lettland, Polen, der Republik Moldau, Österreich, Estland, Tschechien, Russland, Litauen und Ungarn waren zusammengekommen und arbeiteten miteinander auf sehr hohem Niveau....mehr

Zu Besuch bei Europas Ärmsten

 LD 1/2009 (Foto Schleßmann)

Ökumenische Andacht am Volkstrauertag 2008 auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Chişinău. Eine Vertreterin der deutschen Botschaft, der evangelische Pfarrer von Chişinău, ein katholischer Pater aus Deutschland, der die deutschen Katholiken in Chişinău und Umgebung betreut, der katholische Bischof von Bessarabien – Republik Moldova, der Chor des deutschen Kulturzentrums Chişinău und als Gast Pfarrer Schleßmann aus Österreich gestalteten diese Andacht. – Foto: Schleßmann

Seit vielen Jahren besuche ich evangelische Gemeinden im Osten und Südosten Europas. Im November stand nun ein Besuch bei der evangelischen Gemeinde in Chişinău (Kischinau/Kischinjow), der Hauptstadt des seit dem Jahr 1991 wieder unabhängigen Staates Republik Moldau, auf dem Programm. Im Vorfeld hatte ich Kontakte zum dortigen evangelischen Pfarrer Valentin Drăgan und seiner Frau Anna und zum Ehepaar Peter und Tatiana Iurejev geknüpft. Frau Iurejev ist eine der im Land gebliebenen deutschstämmigen Frauen und auch Leiterin des Deutschen Vereins »Hoffnung«. So flogen wir, mein Sohn David und ich, von Wien nach Chişinău, wo wir am Flughafen von Peter Iurejev abgeholt wurden und bei seiner Familie zu Gast waren und die große Gastfreundschaft dieses Landes kennen lernen durften.

In Chişinău, der Hauptstadt des früheren Bessarabien, gab es schon zu Zeiten von Zar Peter dem Großen und der Zarin Katharina der Großen im 17. und 18. Jahrhundert Deutsche, die in der »Nemetzkaja Sloboda« (das heißt: Deutscher Vorort) siedelten und sich streng zum evangelisch-lutherischen Glauben hielten. Ab 1812 kam es zur Einwanderung der in der Folge so genannten »Bessarabiendeutschen«, die hauptsächlich aus Württemberg kamen und sich in zahlreichen Dörfern ansiedelten. Aber auch in Chişinău ließen sich immer wieder deutsche Evangelische nieder. 1825 wurde der erste Lehrer angestellt, der zunächst Lesegottesdienste hielt und die Kinder unterrichtete. 1827 konstituierte sich die Evangelische Gemeinde Chişinău. Von allerhöchster Stelle bekam die Gemeinde Unterstützung, selbst Zar Nikolaus I. schenkte der Gemeinde eine große Geldsumme, so dass im September 1834 der Grundstein zur »Heiligen-Nikolai-Kirche« gelegt wurde, die 1838 eingeweiht wurde.

Chişinău wurde in der Folge zu einem so genannten Kirchspiel mit der größten Diaspora in Bessarabien und hatte bis zum Jahr 1940 stets einen eigenen Pfarrer. In diesem Jahr kam es zur Umsiedlung der Bessarabiendeutschen. Knapp 100.000 Deutsche, von denen die meisten der Evangelisch-Lutherischen Kirche angehörten, verließen ihre Heimat in eine ungewisse Zukunft, wie z.B. auch die Familie des derzeitigen Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler. Seine Familie wurde – wie die meisten dieser Umsiedler – in Polen angesiedelt, wo er selbst 1943 geboren wurde. Von dort mussten sie jedoch 1945 in den Westen flüchten. Einige wenige kehrten unter Zwang in ihre alte Heimat zurück. 1944 wurde Moldawien von den Sowjets besetzt, und das Gebiet wurde eine der 15 Sowjetrepubliken. Das kirchliche Leben hatte aufgehört zu bestehen. Die Heilige-Nikolai-Kirche wurde geschlossen und 1962 gesprengt. Auf dem Gelände bauten die Machthaber später den Präsidentenpalast der Republica Moldova, der auch noch heute dort steht.

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts zogen russlanddeutsche evangelisch-lutherische Familien aus anderen Sowjetrepubliken in die Moldauische Republik. Zu einer offiziellen Gemeindegründung kam es aber nicht. Man versammelte sich in Privathäusern zu Gottesdiensten, die von Laien gehalten wurden. Die meisten dieser Russlanddeutschen und auch die wenigen noch im Land verbliebenen Bessarabiendeutschen siedelten in den 80er Jahren nach Deutschland um. Eine letzte große Auswanderungswelle kam nach dem Ende der Sowjetunion Anfang der 90er Jahre.

Eine kleine Gruppe von Deutschen und Deutschstämmigen blieb im Land. Manche besannen sich ihrer evangelischen Wurzeln. So kam es im Februar 2000 zur Gründung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Hl. Nikolae (Nikolaus) in Chişinău, die im April 2003 amtlich anerkannt wurde.

Jeden Sonntag werden die Gottesdienste der Gemeinde um 10 Uhr gefeiert. Sie werden nach der »Ordnung der evangelisch-lutherischen Kirche Sankt Petersburg 1999« geführt. Evangelische deutschsprachige Gesangbücher aus Siebenbürgen, das Gesangbuch in russischer und deutscher Sprache, das vom MLB herausgegeben wurde, und kopierte zweisprachige Blätter werden im Gottesdienst verwendet. Gottesdienste mit Heiligem Abendmahl werden seit zwei Jahren gefeiert. Die Gemeinde selbst hat keine eigenen Räume. Sie versammelt sich in einem schlichten Raum im Untergeschoss eines Wohnblocks. Das Gemeindeleben (soziale Arbeit, Kinder- und Jugendarbeit und Gottesdienste) werden in Räumen der Gemeinschaft der Deutschen »Einigkeit« gefeiert. Bibelstunden, der Konfirmandenunterricht und die Gottesdienste werden von Pfarrer Valentin Drăgan geleitet, der ein Fernstudium in Novosaratovka in Russland absolvierte. Er wurde von der Gemeinde selbst eingesegnet und in den Dienst eingeführt, aber nicht ordiniert. Er hat u.a. auch deutsche Vorfahren und spricht alle drei Sprachen: deutsch, rumänisch und russisch.

Im Mai 2006 startete die Gemeinde ein Sozialprojekt. Fünfmal in der Woche werden warme Mahlzeiten an 21 pensionierte und behinderte Menschen ausgegeben. Diese Arbeit liegt hauptsächlich in den Händen des Ehepaares Drăgan.

Im Gottesdienst durfte ich predigen. Ich habe die Predigt in deutscher Sprache gehalten und anschließend wurde sie ins Russische übersetzt, weil diese Sprache von allen Gemeindegliedern verstanden wird. Meine Begrüßung und Vorstellung habe ich in rumänischer Sprache gehalten, der offiziellen Landessprache, die aber nicht von allen Bewohnern gesprochen und verstanden wird.

Nach dem Gottesdienst saß die Gemeinde noch bei Tee und Gebäck zusammen. Dort kamen wir miteinander ins Gespräch, und die Gottesdienstbesucher freuten sich über die mitgebrachten kleinen Geschenke. Seit mehr als vier Jahren wendet sich der Gemeinderat regelmäßig an staatliche Organe, um ein Grundstück für den Bau einer neuen Kirche zu bekommen. Die Gemeinde verliert die Hoffnung nicht, betet und legt alles in Gottes liebende Hände.

In Bălţi, im Norden der Republik, werden zweimal monatlich Gottesdienste gefeiert. Rund 300 km muss Pfarrer Drăgan zurücklegen, wenn er diese Gemeinde besucht. Dort leben noch mehrere Bessarabiendeutsche. Die Gemeinde darf momentan die alte armenische Kirche benutzen, die sich jedoch in einem sehr schlechten Zustand befindet, ja nicht einmal Strom hat. Dort wird auch die humanitäre Hilfe verteilt. Die kleine Gemeinde hofft, dass mit Unterstützung aus dem Ausland ein Raum angemietet werden kann, in dem man sich treffen und Gottesdienste feiern kann. Einzelne Evangelische leben über das Gebiet der ganzen Republik zerstreut.

Mag. Frank Schleßmann ist Pfarrer der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich in der Gemeinde Mattighofen.

Weiterer Bericht von Pfarrer Schlessmann: